Archiv für die Kategorie ‘unkomische Politiker’

Hamstern war’s nicht

Dienstag, 12. Mai 2009

Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister kann nicht mit Geld umgehen:

Befürchtungen, man könne die Nullverschuldung angesichts der wachsenden Beanspruchung des Haushalts aufgeben, teilt Pfister nicht. »Aktion Eichhörnchen ist ein Markenzeichen dieser Landesregierung«, will heißen, man sorge (»wie jede gute schwäbische Hausfrau«) in guten Zeiten vor, lege Geld auf die hohe Kante, um dann in Krisenzeiten »via Konjunkturpaket« dieses Geld einzusetzen.

Wenn man es denn wiederfindet.

Wie ich schon sagte, sind Eichhörnchen als Methapernträger in Sachen Vorsorge und Planungssicherheit denkbar ungeeignet. Sie vergraben ihre Nüßchen, sie finden vielleicht die Hälfte davon wieder und das per Geruch. Für den ministeriellen Umgang mit Geld würde ich mir eine andere Vorgehensweise wünschen. Es bleibt dabei: Politiker sind als Metaphernbenutzer ungeeignet.

Aber wen wundert’s — der Mann ist nun mal  in der FDP.

Vielleicht Morgenthau?

Mittwoch, 07. Januar 2009

Konzepte zum Anschieben der Wirtschaft:

Warum Deutschland keinen “Marshall-Plan” braucht

Vielleicht, weil nicht gerade ein Weltkrieg vorbei ist?

Die jüngste Idee dazu stammt vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Der CDU-Politiker brachte einen “Deutschlandfonds” ins Spiel. Versehen hat er ihn mit dem plakativen Label eines “Marshall-Plans”.

Ah, eine Politiker-”Metapher”. Na gut, der ist  Jurist, da muß er sich nicht mit Geschichte auskennen.

Spiegel Online

Vorsichtig fahren!

Dienstag, 26. August 2008

Die CSU läßt ihre Häuptlinge unbeaufsichtigt metaphorisieren:

Und Beckstein ergänzte: “Wir sind uns völlig einig, dass die Frage Links ein massives Thema ist, aber nicht alleiniges Thema.” Die CSU werde in ihrem Wahlkampf “noch einiges an Gas zulegen”.

Und dann geben sie noch etwas Kohle und damit will man dann Tempo nachlegen.

Abendblatt

Anrüchig

Mittwoch, 19. September 2007

Die CSU hat zu einem von der Bundeskanzlerin ausdrücklich akzeptierten Kompromiß noch etwas nachzukarten beizutragen:

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer äußerte Zweifel, ob es bei dem zu Grunde liegenden Tarifabschluss mit rechten Dingen zugegangen sei: “Die ganze Sache riecht”, sagte er. “Da muss man sehen, ob das politisches Gammelfleisch ist.”

Als CSU-Politiker sollte man in Sachen Gammelfleisch vielleicht besser die Klappe halten.

ZDF

Es geht doch noch blöder.

Mittwoch, 29. August 2007

Der Berliner Finanzsenator hamstert

Der Finanzsenator liebt plastische Vergleiche

Thilo Sarrazin (SPD) hat sich bei den flauschigen Nagetieren einiges abgeschaut. “Wir machen es wie die Eichhörnchen: Man weiß nicht, wie hart der Winter wird – und nur die Nüsse, die man gesammelt hat, hat man sicher”, sagte er gestern. Und wenn der knochentrockene Finanzsenator seine Finanzplanung bis 2011 mit Metaphern aus dem Tierreich umschreibt, ist die Botschaft klar: Das Schlimmste ist überstanden.

Nein, das Schlimmste kommt in der Regel dann, wenn ein Politiker den Mund aufmacht und versucht, plastisch oder – noch schlimmer – komisch zu sein.

Erstens: Eichhörnchen merken sich nicht, wo sie ihren Kram verbuddeln, sie finden ihn, wenn überhaupt, nach Geruch wieder und auch dann nur die Hälfte dessen, was versteckt wurde. Nicht die Sorte Vergleich, die ich zu einer Finanzpolitik gezogen haben möchte, aber der Senator muß schon selbst wissen, was er für ein Blech redet.

Zweitens: Die andere Hälfte bleibt infolgedessen dort, wo sie einst versteckt wurde und führt gegebenenfalls durch Keimung und Wachstum zur Bereicherung der Waldlandschaft. Wenn wir schon bei mißglückten Metaphern sind, wäre das eine prima Gelegenheit, diesen Effekt als langfristige Kapitalzunahme durch Verzinsung hinzustellen. Ich möchte allerdings nicht in Senators Haut stecken, wenn später der Rechnungshof fragt, wie das Geld verschwinden konnte und schwarzgeldsuchende Staatsanwälte, warum stattdessen merkwürdige Erträge auftauchen.

Drittens: Eichhörnchen sind mitnichten Vegetarier. Wenn sie keine Nüsse kriegen, plündern sie auch schon mal Vogelnester. Die Metapher finde ich für finanzpolitische Budgetplanung jetzt mal gar nicht so mißglückt, halte es aber für möglich, daß sich nun Finanzpolitiker eher unwohl fühlen.

Wie ich schon sagte: Finger weg von Metaphern, liebe Politiker! Wer als knochentrocken gilt, sollte dabei bleiben.

TAZ

So blöd, daß es wehtut

Mittwoch, 22. August 2007

Der kleine Volker probiert eine Pointe:

Kauder empfiehlt Müntefering Harry Potters Zauberschule

[…] Es sei eine “unmögliche Verknüpfung”, die Höhe der Hartz-IV-Bezüge mit der Forderung nach einem Mindestlohn zu verbinden, so Kauder. […] Müntefering solle “in Harry Potters Zauberschule gehen”, wenn er immer wieder sein Zauberwort “Mindestlohn” gebrauche, so Kauder.

Es ist an der Zeit, daß Vollzeitpolitikern unter Androhung von Körperstrafen verboten wird, ihre unsäglichen und peinlichen Versuche, originell oder gar komisch zu sein oder sich an die Durchschnittsbevölkerung ranzuwanzen, indem sie versuchen, irgendwelche Schlagwörter, die sie für en vogue halten, weil sie sie kürzlich in der Boulevardpresse aufgeschnappt haben, hilflos und willkürlich in ihren Wortdurchfall zu integrieren, in aller Öffentlichkeit vorzunehmen.

Für die Zukunft: Bitte das mit den Metaphern gar nicht erst versuchen und ansonsten öfter mal die Fresse halten! Überlaßt das In-die-Pfanne-Hauen von Politikern doch bitte versierten Kabarettisten.

(Anmerkung: Ich bin kein expliziter Harry-Potter-Apologet, die Bücher sind ganz nett, aber hier tatsächlich nur der Aufhänger für die stümperhaften Übungen eines erfolglosen Möchtegernkomikers.)

Aber machen wir doch mal da weiter, wo der kleine Volker aufgehört hat und gucken, was passiert. Was ihm mangels Lektüre schonmal entgangen zu sein scheint, ist, daß Harry Potter zu den Guten gehört. Was die Gruppe seiner Gegenspieler zu den Bösen macht, die natürlich einen Anführer haben. Frau Merkel mag über den Lady-Voldemort-Vergleich nun vielleicht nicht so begeistert sein, aber das macht mal unter Euch aus. Alles klar, Wormtail?

Spiegel Online