Ganz schön schlimm, echt jetzt!

22. April 2009

Der FC-Bayern-Pressesprecher beweist Geschichtskenntnisse:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick hatte die Darstellung des gekreuzigten Coaches sogar als “die vielleicht schlimmste Entgleisung, die es in den deutschen Medien jemals gegeben hat” bezeichnet.

„Jemals“?

Das ist die komplette Vergangenheit. Ich hege ja den starken Verdacht, in Sachen Entgleisung hat die deutsche Pressegeschichte dann doch noch ein paar schlimmere Sachen zu bieten. Als Pressesprecher muß man sich mit sowas aber vermutlich nicht auskennen.

Narrensicherheit

18. April 2009

In Nordrhein-Westfalen sind die Daten bestimmt sicher:

Schon die schieren Zahlen sind imposant: 76.000 Abiturienten, 80 Fächer, 1150 Aufgaben – und schon am Montag werden die ersten 13.500 Seiten Papier dafür bedruckt, nachdem die Schulleiter die Aufgaben aus dem Internet heruntergeladen haben.

Diesmal will Schulministerin Barbara Sommer (CDU) auf Nummer sicher gehen und eine erneute Pannenserie vermeiden

„Nur dazu Berechtigte laden Aufgaben aus dem Internet herunter“ und „Pannenserie vermeiden“ — ist das sowas wie Weihnachten und Ostern an einem Tag oder diese Sache mit der zufrierenden Hölle?

Was? Touristen?

12. April 2009

Die Politik befürchtet Kundschaft:

Nun fürchtet Christoph de Vries ein Verkehrschaos, wenn Touristen und Hamburger Beach-Club-Fans in Scharen zu den Landungsbrücken strömten.

Eine Situation, die den Landungsbrücken bis dato völlig unbekannt war. Na, hoffentlich merken diese Touristen nicht, daß sich keine 500m weit weg diese Reeperbahn befindet. Am Ende gucken die sich das auch noch an!

Wer hat denn hier den Schlapphut auf?

18. März 2009

Unrealistischer Fernsehkrimi:

Verfassungsschutz-Beschwerde bei Furtwängler

Der niedersächsische Verfassungsschutz-Chef Günther Heiß hat einen Brief an die Schauspielerin geschrieben. Darin beschwert sich Heiß über die “völlig unrealistische Darstellung des Verfassungsschutzes” im “Tatort”-Krimi “Das Gespenst” mit Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm.

Und wo beschwert der sich, wenn er das Intrigenspiel in Cosí fan tutte für unrealistisch hält? Bei Anna Netrebko?

Go! Go! Go!

18. März 2009

Niedersachsen drückt aufs Gaspedal:

Turbo-Abitur soll früher kommen

Heißt es dann auch “Super-Turbo-Abitur”?

Vielleicht Morgenthau?

07. Januar 2009

Konzepte zum Anschieben der Wirtschaft:

Warum Deutschland keinen “Marshall-Plan” braucht

Vielleicht, weil nicht gerade ein Weltkrieg vorbei ist?

Die jüngste Idee dazu stammt vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Der CDU-Politiker brachte einen “Deutschlandfonds” ins Spiel. Versehen hat er ihn mit dem plakativen Label eines “Marshall-Plans”.

Ah, eine Politiker-”Metapher”. Na gut, der ist  Jurist, da muß er sich nicht mit Geschichte auskennen.

Spiegel Online

Bond, James Bond

04. Januar 2009

Qualitätsinitiative im Königreich:

Das Vereinigte Königreich plant, alle E-Mails und Telefongespräche seiner Bürger aufzuzeichnen, die Verwaltung der Daten soll möglicherweise einer Privatfirma überlassen werden.

Weil die Regierungsstellen das nicht ohne Datenverlust hinkriegen?

Spiegel online

Und nochmal nachrechnen

01. November 2008

Die rheinland-pfälzische CDU guckt in den Sparstrumpf:

CDU-Landesverband von Rheinland-Pfalz droht Bankrott

Die rheinland-pfälzische CDU steht möglicherweise vor einem finanziellen Desaster. […] Es droht eine Strafe in Millionenhöhe – und damit der Bankrott des Landesverbands. […] Die CDU müsste zur Strafe das Dreifache der Summe bezahlen und wäre damit praktisch pleite.

Und das sind also die anderen Leute, die ständig behaupten, die „Sozis“ könnten nicht mit Geld umgehen?

Nochmal nachrechnen

06. Oktober 2008

Die Hamburger FDP guckt in den Sparstrumpf:

Selten ist ein Landesverband so abgewatscht worden wie die Parteiführung der FDP gestern Abend. […] die Revisoren stellten dem Führungsgremium […]  ein vernichtendes Urteil aus.

“Die Übersicht über den Haushalt ist im ersten Quartal dieses Jahres verloren gegangen” […] noch vier Tage vor der Wahl von einem Überschuss in Höhe von 64 000 Euro […] im Nachhinein […] ein Defizit von 55 000 Euro aus” […] dass das Controlling in den letzten Wahlkampftagen nicht funktioniert hat”, lautet der schwerwiegende Vorwurf des Revisors. “Man dachte, man habe noch einen Puffer, aber der war schon gegessen.” […] “eine handvoll” Ausgaben gegeben, die nicht beschlossen waren und für die es keine finanzielle Vorsorge gab.

In der finanziellen Notlage ist die Hamburger FDP einmal mehr auf Hilfe der Bundespartei angewiesen. […] dass mit der Bundes-FDP ein Kreditrahmen von bis zu 80 000 Euro vereinbart worden ist. “Der Kredit ist eine schwere Belastung für die Partei, aber es ist grundsätzlich falsch, von Insolvenz zu sprechen”

Und das sind also die Leute, die ständig behaupten, die „Sozis“ könnten nicht mit Geld umgehen?

Offensichtlich vergeblich hatte Parteichef Fock zu Beginn des Parteitags an die Geschlossenheit der FDP appelliert: “Die Menschen draußen verstehen nicht, wie wir uns gegenseitig zur Schnecke machen.”

„Schnecke“ ist nicht die Vokabel, die mir dabei einfällt.

Luftig

16. September 2008

Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff über die Wertschöpfungskette:

“Man kann nicht mit dünner Luft Geld verdienen”

Nur mit heißer.

Spiegel Online

200 Mio and counting …

12. September 2008

Auf der Zielgeraden drehen sie noch einmal richtig auf:

Das für Freitag geplante und dann abgesagte Krisentreffen zwischen Vertretern des Senats und des Baukonzerns Hochtief sollte klären helfen, um wie viel das Projekt teurer wird […]. Im Gespräch sind 100 bis sogar 200 Millionen Euro.

Im letzteren Fall wären sie dann also bei 440 Millionen angekommen. Ich revidiere meinen Tip und bin jetzt neugierig, ob sie die halbe Milliarde noch in diesem Jahr schaffen — ist ja noch über ein Quartal Zeit.

Zugegeben, es könnte auch passieren, daß plötzlich gar kein Geld mehr benötigt wird, weil die ganze Nummer mit Pauken und Trompeten (tut mir leid, der Kalauer ist nicht zu vermeiden) komplett untergeht. Aber wenigstens herrscht inzwischen auch eine wenig überraschende Einigkeit, wer die Zeche zahlt:

und welche zusätzlichen Belastungen auf die Steuerzahler zukommen

Unter den Zuschauern macht sich ungläubiges Staunen breit … Das ist also das große, langgehütete Geheimnis. Wer hätte das nur je gedacht?

Und Senatorin von Welck ist jetzt bestimmt erst so richtig baß erstaunt, wie unheimlich kompliziert es ist, so ein tolles, großes Häuschen zu bauen.

Abendblatt

Extra harmonisch

03. September 2008

Die Elbphilharmonie birgt Überraschungen:

Elbphilharmonie wird noch teurer

Die Vision: Einer der prunkvollsten Konzertsäle Europas und ein neues Wahrzeichen der Hansestadt. Die Realität: Das Prestigeobjekt Elbphilharmonie verschlingt immer mehr Geld. Im November 2006 sprach man noch von 37,3 Millionen Euro zusätzlich. Jetzt kommen nochmal 100 Millionen Euro dazu.

[…] nach jetzigem Stand rund 340 Millionen Euro. Der Rundfunksender NDR 90,3 berichtete am Mittwoch zudem, dass die Bauarbeiten ein halbes Jahr hinter den Planungen zurück seien.

Neeiiiiiin! Wie konnte Frau von Welck sich nur so täuschen? Aber ich hatte schon so eine leichte Ahnung. Man könnte jetzt Wetten anbieten: Schaffen die bis 2011 die halbe Milliarde? Ich schlaf’ nochmal drüber, dann geb’ ich einen Tip ab.

Ab jetzt ist es mir eine eigene Kategorie wert.

Abendblatt

Dänemark doch in den Alpen

02. September 2008

Google stellt seinen neuen Browser Chrome vor:

Es ist ja löblich, daß Osteuropa und der Balkan von der russischen Exklave Ostpreußen über Tschechien und die Slowakei bis hin zu Mazedonien und dem Marmarameer recht akkurat wiedergegeben werden, aber daß Dänemark jetzt vom Skagerrak über Rheinmündung und -quellen bis nach Rumänien reicht, verwundert doch etwas.

Googlebooks, S. 13

Im Schattenreich

30. August 2008

Das Abendblatt hat zuviel Sonne abbekommen:

So machte ein französischer Astronom Hwang auf den Venus-Transit aufmerksam, bei dem alle 122 Jahre ein dunkler Schatten auf der Sonne erscheint.

Leute, wenn es in diesem Kubiklichtjahr irgendwo eine Fläche gibt, auf der aber auch sowas von wirklich total komplett völlig niemals ein Schatten erscheinen wird, ist es die Oberfläche der Sonne …

Jedenfalls in den nächsten fünf Milliarden Jahren.

Abendblatt

Einzelfall

29. August 2008

Es wird mit allen möglichen Arten von Vorratsdaten gehandelt:

Schleswig-Holsteins Innenministerium bestätigte den “taz”-Bericht. Die Zeitung hatte sich auch auf das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen berufen. Dort liegen allerdings keine konkreten Informationen über illegalen Handel mit Meldedaten vor. Lediglich in einem Fall habe es einen Hinweis darauf gegeben, dass ein anfragendes Unternehmen eine eigene Datenbank aufgebaut habe.

Einzelfälle, alles Einzelfälle! Millionen von Einzelfällen!

Die Innenbehörden in Kiel und in Nordrhein-Westfalen verschickten demnach einen Runderlass an ihre kommunalen Meldeämter, der ihnen verbietet, den entsprechenden Firmen Auskünfte zu erteilen.

Wie wär’s denn, solche Auskünfte einfach ganz generell zu verbieten, hm?

Spiegel Online

Vorsichtig fahren!

26. August 2008

Die CSU läßt ihre Häuptlinge unbeaufsichtigt metaphorisieren:

Und Beckstein ergänzte: “Wir sind uns völlig einig, dass die Frage Links ein massives Thema ist, aber nicht alleiniges Thema.” Die CSU werde in ihrem Wahlkampf “noch einiges an Gas zulegen”.

Und dann geben sie noch etwas Kohle und damit will man dann Tempo nachlegen.

Abendblatt

Volltanken!

07. Juli 2008

Die Tagesschau sucht nach Ursachen und Ausblicken:

Wird der Preis in absehbarer Zeit wieder sinken, oder müssen wir uns mit dauerhaft steigenden Ölpreisen abfinden?

Ich wäre bereit, einen Tip abzugeben.

Und nach wie vor umstritten ist die Rolle von Spekulanten. Treiben sie kaltschnäuzig den Preis nach oben – oder drückt sich in der Preisrallye nur das herannahende Ende des Ölzeitalters aus?

Sind wir auch ganz sicher, daß es sich hier um ein exklusives Oder handelt …?

Tagesschau

Wie konnte das nur passieren?

03. Juli 2008

Atommüll verursacht angeblich Lagerprobleme:

SALZBERGWERK

Es sollte für Millionen Jahre sicher sein – Jetzt wurde es zum Ernstfall für Bürger und Politik

40 Jahre ist doch aber auch schon ganz gut. Dann eröffnen wir doch noch Gorleben, und das hält dann bestimmt schon so 60-70 Jahre.

Jahrelang trat in 750 Meter Tiefe radioaktiv verseuchte Lauge aus. Die Betreiber schwiegen. Wie aber lässt sich die tickende Zeitbombe entschärfen?

Na, ganz einfach: Da besorgen wir uns einen James Bond, der seilt sich ab, schneidet den blauen Draht durch, und schon hört der Atommüll auf zu strahlen.

Ach, doch nicht so einfach? Tja, Scheiß-Öko-Energie halt.

Demnächst mehr in diesem Theater, wenn die üblichen Populisten mit ihrem 0,8-Legislaturperioden-Planungshorizont zugeben müssen, daß es auch kein Fortschritt ist, wenn man sich statt von ölfördernden von uranfördernden Importeuren abhängig macht.

Abendblatt

Auf! Stop! Zurück vorwärts!

24. Juni 2008

Bei der CDU findet ein Paradigmenwechsel statt:

CDU verabschiedet Umweltschutz-Papier

Oh, wow!

Die Federführung hatte Ole von Beust. Generalsekretär Ronald Pofalla bezeichnet die Kernkraft als “Öko-Energie”.

Ach so. Ja nee, is klar …

Die Partei erklärt darin eine Politik der Nachhaltigkeit zu ihrem Leitbild.

Oh, wow!

Dabei setzt die Partei anders als SPD und Grüne auf längere Laufzeiten der Atomkraftwerke. “Kernkraft ist für die CDU Öko-Energie”, sagte Generalsekretär Ronald Pofalla.

Ach so. Ja nee, is klar …

Er machte deutlich, dass mit der Neubetonung der Klima- und Umweltpolitik auch neue Wählerschichten erschlossen werden sollen.

Die, die aus klima- und umweltpolitischen Gründen bisher nicht die CDU gewählt haben? Und die kriegt man mit Atomenergie?

Klimaschutz soll “Kernziel der Union” sein. Dabei könne der Vorschlag von Bundeskanzlerin und Parteichefin Angela Merkel, “den CO2-Ausstoß pro Kopf der Bevölkerung weltweit festzulegen und zu begrenzen”, Ansatz für einen “sinnvollen Dialog zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern” bieten.

Ja, wenn man mit der Grenze schön vorsichtig umgeht und sie gaaaaaanz vorsichtig, so im Verlauf mehrerer Jahrzehnte, absenkt. Aber nicht vor 2042 damit anfangen!

Eine am CO2-Ausstoß orientierte Kfz-Steuer wird befürwortet.

Oh, wow!

Ein “starres Tempolimit” auf deutschen Autobahnen lehnt sie weiter ab.

Ach so. Ja nee, is klar …

Höhere Energieeffizienz, einen Ausbau erneuerbarer Energien

Oh, wow!

sowie einen Ersatz alter durch “moderne saubere” Kohlekraftwerke nennt das Papier als Bausteine einer klimafreundlichen Energiepolitik.

Ach so. Ja nee, is klar … “Saubere Kohlekraftwerke”. Für wie blöd …?

Auf den Beitrag der Atomenergie zur Stromerzeugung könne “auf absehbare Zeit” nicht verzichtet werden.

Ah, für so blöd. Hier wäre nur etwas genauer zu spezifizieren, wie lang die “absehbare Zeit” nun genau ist. Macht einfach so weiter, und sie wird deutlich kürzer ausfallen als erwartet.

Dem Fahrrad schreibt die CDU eine “Schlüsselrolle” zu und will sich “konsequent für eine Stärkung des Radverkehrs” einsetzen.

Oh, wow!

Wie jetzt, an dieser Stelle ausnahmsweise kein komplett behämmertes Aber? Wer hat denn da gepennt, oder ist das nur besser versteckt im Konzept? Dann prognostiziere ich mal, daß in absehbarer Zeit (haha) die ergänzende Information auftauchen wird, daß das keinesfalls unter Rück- oder Umbau bestehender Kfz-Infrastruktur geschehen darf und selbst dann nur, wenn genügend Geld dafür vorhanden ist, das seinerseits keinesfalls aus einem für die KFz-Infrastruktur geplanten Topf umgewidmet werden darf.

Bei Produkten seien Warnhinweise, Inhaltsangaben oder Gebrauchsanweisungen verständlich und klar zu formulieren.

Oh, wow!

Eine reine Farbkennzeichnung von Lebensmitteln mit einer Nährwert-”Ampel” lehnt die CDU als “stigmatisierend und irreführend” ab.

Ach so. Ja nee, is klar … Aber immerhin beruhigend, daß das Unfugsmuster nach dem Fahrrad-Fauxpas wieder funktioniert.

Der mündige Verbraucher, “der informiert ist und auf Augenhöhe entscheiden kann”, stellt das Leitbild dar.

Liebe CDU!

Wenn es überhaupt genügend viele “mündige Verbraucher” gäbe, würden die sich von diesem komplett bescheuerten Ja-Nein-Vielleicht-Fellwaschen-Nichtnaßmachen-Durcheinander sowas von verarscht fühlen, daß der Schuß ziemlich nach hinten losginge. Daß die CDU diesen Schritt trotzdem macht, läßt klar erkennen, mit wievielen mündigen Verbrauchern sie rechnet und was sie infolgedessen vom Stimmvieh insgesamt hält.

Wohnheimparty!

20. Juni 2008

Das entbehrungsreiche Geknapse im Studium hat endlich ein Ende:

Stattdessen sollen in dem rund 12 000 Quadratmeter großen Objekt rund 50 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Baubeginn soll Anfang 2009 sein.

[…]

Die Frankonia Eurobau baut auf dem rund 44 000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Standortkommandantur an der Sophienterrasse 150 Wohneinheiten in Stadthäusern und Villen, zudem entstehen rund 6000 Quadratmeter Bürofläche.

Na, das ist doch endlich mal eine entspannende Aussicht für die zahlreichen wohnungssuchenden Studenten, die sich schon immer fragten, wie sie in Uninähe erschwinglich, aber doch mit etwas Lebensqualität unterkommen sollen.

Abendblatt