DEFCON 1

13. Juni 2010

Nordkorea greift durch:

Nordkorea hat keine WM-Übertragungsrechte – trotzdem hat das Staatsfernsehen offenbar das Eröffnungsspiel gezeigt. Ein südkoreanischer Sender wirft dem Regime nun Sendepiraterie vor. Handelt es sich um eine gezielte Provokation nach der Krise um ein versenktes Kriegsschiff?

Das sind ja ganz harte Bandagen!

Was machen die als nächstes? Radioübertragungen von der schwedischen Bowlingmeisterschaft in Kungsbacka? Twittern vom Schützenfest in Clausthal-Zellerfeld?

Wie heißt der nächste? Titanic?

22. Mai 2010

In Japan will man hoch hinaus:

“Ikaros” heißt der kleine Flugkörper, der am Freitag an Bord einer H-IIA-Trägerrakete vom Weltraumzentrum Tanegashima im Süden Japans abhob.

Wollen wir nicht doch nochmal bei Schwab nachlesen?

Dings, … äh …

20. Mai 2010

Merkel schlumpft sich durch:

Die Kanzlerin setzt auf irgendeine Finanzdingsbumssteuer, um der verstörten Wählerschaft ein Gefühl der Gerechtigkeit zu vermitteln.

Man könnte genau die Bezeichnung einfach beibehalten, das trifft’s doch ziemlich gut. Wie jeder weiß, ist ein eingängiger, leicht zu merkender und problemlos wiederzugebender Name eine unabdingbare Voraussetzung für schnelle Akzeptanz, ein positives Image und eine wohlwollende, beruhigende Stimmung.

Wie bei „Hartz IV“ zum Beispiel.

ΔE > 0

15. Mai 2010

Trichet hat doch Physik studiert:

Trichet fordert “Quantensprung” von Euro-Staaten

Der EZB-Präsident fordert jetzt “einen Quantensprung in der gegenseitigen Überwachung der Wirtschaftspolitik in Europa”.

Naja, vielleicht ist in dieser Angelegenheit auch die kleinste mögliche diskrete Zustandsänderung schon ein Fortschritt.

Gehen Sie bitte weiter!

19. Februar 2010

Die Lufthansa kooperiert mit der Bahn:

Da nutzt die beste Kooperation von Bahn und Lufthansa nichts, wenn die Züge bereits jetzt übervoll sind.“ Die Bahn müsse nun „alles unternehmen, um diesen Ansturm zu bewältigen“, vor allem müsse sie zusätzliches Personal einsetzen.

Und werden die Züge davon dann leerer oder größer?

2000 Jahre bewährte Methoden

19. Februar 2010

Die Kirche tut wieder mal das, was sie am besten kann: Behauptungen aufstellen.

Religion versus Evolution
Wie die Sünde in die Welt kam

Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das – für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären.

Sondern halt durch Glauben. Funktioniert komischerweise seit Ewigkeiten. Trotzdem die kurze Anmerkung: Um etwas zu widerlegen, liebe Kirche, muß man nicht behaupten und glauben, sondern belegen und beweisen.

Das wird wohl nix mehr in diesem Zeitalter.

Gemeinsam sind wir stark (genug?)

19. Februar 2010

Rolle Koch setzt Prioritäten:

Roland Koch warnt CDU vor schwarz-grünem Flirt

“Unsere Gemeinsamkeiten mit der FDP sind bei Weitem größer.”

In der Politik kommt es aber nicht auf Gemeinsamkeiten an, sondern auf Mehrheiten. Das wird er schon noch früh genug merken.

Ungefähr exakt

23. Dezember 2009

spektrumdirekt nimmt’s nicht ganz so genau:

[…] etwa neun Milliarden Schwingungen entsprechen nach dem Internationalen Einheitensystem genau einer Sekunde.

Und etwa 400000 km ist genau die Entfernung zum Mond.

Il flauto magico

22. Dezember 2009

Beim ZDF-Theaterkanal verliert man den Überblick:

Neben […] gehören zwei Arien aus der Zauberflöte zu den Höhepunkten des Programms: Dorothea Röschmann singt “Porgi Amor” und “E Susanna non vien! … Dove Sono”.

Mit einem Libretto vom berühmten Mailänder Librettisten Emanuele Schikanedro?

Also nochmal im Einzelnen: Ursprünglich hatte der ja das Textbuch zu Le nozze di Tamino schon fertig, hat sich aber nochmal überzeugen lassen, daß die Tochter der Regina della notte, Susanna, doch jemand anders heiraten sollte. Im Anschluß wurde die Planung der anstehenden Premieren etwas unübersichtlich und der Projektplan immer enger. Die drei Knaben (Bartolo, Basilio und Cherubino) kommen dann erst bei der operativen Teilung des Librettos zu ihren Partien. Daß irgendwas immer noch nicht stimmt, fällt aber erst auf, als zwei Geharnischte mangels Sprachkenntnissen etwas orientierungslos in einem spanischen Schloß herumstolpern und ein gewisser Hohepriester dort angesichts der erotischen Verstrickungen und des Intrigenspiels seinen Job hinschmeißt und als Gärtner weitermacht. Bei der Gelegenheit kündigt auch gleich der Kammerdiener Monostatos, der mit seiner Sprechrolle schon länger unzufrieden war und von der anderen Seite immerhin eine Soloarie versprochen bekommen hatte. Nachdem nun diese Stelle frei ist, geht alles ganz schnell: Tamino schult um auf Barbier und kriegt sofort den Job. Der lange verschollene Bruder des Grafen kommt von seiner Weltreise zurück, stellt fest, daß ihm seine alte Umgebung fremd geworden ist, und da gegenüber noch eine Planstelle für einen Adligen inklusive Beförderung zum Prinzen frei ist, fällt die Entscheidung leicht. Dabei kommt auch die lange geheimgehaltene Affäre mit seiner Schwägerin ans Licht, die ihm folgt, aber ihre Arien in Spanien zurücklassen muß. Der Rest ist Geschichte.

In der historischen Musikwissenschaft ist das schon seit längerem bekannt, aber dem ZDF müßte nochmal jemand bescheidsagen.

Abendunterhaltung

05. September 2009

Wissenschaft online liefert Katastrophenjournalismus:

Weißer Zwerg kurz vorm Explodieren entdeckt

Genug Popcorn bereitgelegt?

Astronomen entdeckten einen sehr massereichen Weißen Zwergstern in einem Binärsystem, der womöglich in relativ kurzer Zeit als Supernova explodieren wird.

Im Rest des Artikels wird erwartungsgemäß geschickt verschwiegen, was diese konkrete Bevölkerungsgruppe im genannten Sachzusammenhang in aller Regel unter „kurz“ versteht, nämlich nur fünf bis sieben Nullen bei der Jahresangabe statt sechs bis neun.

Der Handtuchkrieg in den Medien

03. August 2009

Die Süddeutsche betreibt eine etwas pauschal formulierte Presseschau:

Gerade britische Medien widmen den Kämpfen an den Pools alljährlich ausführliche Berichte.

Mein guter Freund Christian schlug daraufhin vor:

   „Der Pool“ (J. Grisham)
   „Der Tote im Pool“ (E. Wallace)
   „Die Kämpfe am Pool“ (D. Lean, P. Boulle)
   „I know, where my Towel is“ (D. Adams)
   „Geheimnis um einen leeren Liegestuhl“ (E. Blyton)
   „Pool Runner“ (R. Scott)

Was mich auch auf Ideen brachte:

   „From the pool with love“ (I. Fleming)
   „The pool of the baronet“ (A. Christie)
   „The fellowship of the pool“ (J.R.R. Tolkien)
   „Animal Pool“ (G. Orwell)
   „Monty Python and the Holy Pool“ (T. Gilliam)
   „At a little pool of my friends“ (Lennon/McCartney)
   „The dark side of the pool“ (R. Waters)
   „Much ado about no pool“ (W. Shakespeare)
   „Pool with rainbow“ (W. Turner)

Und dann nochmal Christian:

   „The two Towels“ (J.R.R. Tolkien)
   „Celebration“ (Pool and the Gang)
   „Der alte Mann und der Pool“ (E. Hemingway)

(Auch, wenn die letzten beiden eher „US-Medien“ sind. Künstlerische Freiheit.)

Genau hinhören!

21. Juli 2009

Das Gesundheitsministerium hört die Signale:

Die Krankenkassen erwarten für 2010 ein riesiges Finanzloch […] Der stellvertretende Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg […] hält einen Fehlbetrag von bis zu acht Milliarden Euro für denkbar […] sprach sogar von bis zu elf Milliarden Euro.

Das Gesundheitsministerium wies die „Kassandra-Rufe“ zurück.

Liebes Gesundheitsministerium, wissen wir auch ganz genau, was Kassandra-Rufe sind? Und sind wir immer noch sicher, daß wir die meinen?

Wohnungsnot

04. Juni 2009

Das Abendblatt hat nochmal nachgezählt:

2009-06-04-5000Macht also insgesamt eine Sollmenge von 29395.

Bielefeld war gestern

24. Mai 2009

20090523-luneburg

Und? Hat’s geklappt?

Überraschung!

17. Mai 2009

Seehofer verhält sich atypisch:

Überraschender Kurswechsel von Horst Seehofer

Also wirklich! Wenn an dem Mann etwas nicht überraschend ist …

Hamstern war’s nicht

12. Mai 2009

Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister kann nicht mit Geld umgehen:

Befürchtungen, man könne die Nullverschuldung angesichts der wachsenden Beanspruchung des Haushalts aufgeben, teilt Pfister nicht. »Aktion Eichhörnchen ist ein Markenzeichen dieser Landesregierung«, will heißen, man sorge (»wie jede gute schwäbische Hausfrau«) in guten Zeiten vor, lege Geld auf die hohe Kante, um dann in Krisenzeiten »via Konjunkturpaket« dieses Geld einzusetzen.

Wenn man es denn wiederfindet.

Wie ich schon sagte, sind Eichhörnchen als Methapernträger in Sachen Vorsorge und Planungssicherheit denkbar ungeeignet. Sie vergraben ihre Nüßchen, sie finden vielleicht die Hälfte davon wieder und das per Geruch. Für den ministeriellen Umgang mit Geld würde ich mir eine andere Vorgehensweise wünschen. Es bleibt dabei: Politiker sind als Metaphernbenutzer ungeeignet.

Aber wen wundert’s — der Mann ist nun mal  in der FDP.

Ab jetzt automatisch

11. Mai 2009

England automatisiert weiter:

Die britische Regierung […] Strom- und Gasverbrauch misst und die Daten an den Energieversorger weiterleitet […] Informationen über den Stromverbrauch und Angebote […] flächendeckende Einführung der intelligenten Zähler […] sollen die intelligenten Zähler standardisiert sein […] Daten werden einem zentralen IT-Unternehmen übermittelt […] an die jeweiligen Energieversorger weiterleitet.

Zukünftig braucht man in England also für Datenschutzkatastrophen nicht mal mehr dösbaddelige Regierungsangestellte, die Laptops in Bussen vergessen?

Inselhumor

07. Mai 2009

In England ist eine neue Arbeitsteilung geplant:

Großbritannien: Privatfirmen sollen Fingerabdrücke für Biometrie-Ausweise erfassen

Also – nichts gegen englischen Humor, aber nun wird’s langsam zur Boulevardkomödie.

Oder wollen nach den Datensicherheitserfahrungen der Vergangenheit die Behörden lieber gleich von Anfang an nichts damit zu tun haben?

Offenbar aus Kostengründen erwägt Home Secretary Jacqui Smith nun, die Erfassung von Fingerabdrücken künftig in Postfilialen, Apotheken, Fotoläden oder Drogerien durchführen zu lassen.

Oder bei OBI?

“Während die beteiligten Firmen von einer erhöhten Besucherfrequenz profitieren, können Kunden ihre biometrischen Merkmale kurzerhand beim Shopping registrieren lassen”, erläutert Innenministerin Smith die Vorzüge ihres Plans […]

Und wo doch diese Datensätze schon beim Erfassen so praktisch dicht nebeneinanderliegen, könnte man sie doch auch gleich in eine einzige Datenbank …?

Hoppla! Hoffentlich habe ich jetzt englische Wirtschaftsunternehmen nicht auf dumme Gedanken gebracht!

[…] und versichert gleichzeitig, dass die Enrollment-Vorgänge einer “strengen Kontrolle durch das Ministerium” unterlägen.

Einmal pro Woche holt ein Kurier einen USB-Stick mit den Daten ab und fährt mit der U-Bahn ins Ministerium?

Welche Tonart?

06. Mai 2009

Anne-Sophie Mutter betätigt sich als Musikhistorikerin:

Abendblatt:
Eine große Frage: Wozu dient Musik?

Mutter:
Musik gibt es seit 1200 Jahren. […]

Ganz sicher?

Ich hätte ja angenommen, kurz nachdem die Affen mit dem Sprechen angefangen haben, hätten sie zumindest auch schon mal das mit dem Singen rausgefunden. Das wäre dann eher so eine Million Jahre.

Aber die Vorstellung, wie Karl der Große das Zeitalter der Musik offiziell für eröffnet erklärt, ist auch ganz unterhaltsam.

Ganz schön schlimm, echt jetzt!

22. April 2009

Der FC-Bayern-Pressesprecher beweist Geschichtskenntnisse:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick hatte die Darstellung des gekreuzigten Coaches sogar als “die vielleicht schlimmste Entgleisung, die es in den deutschen Medien jemals gegeben hat” bezeichnet.

„Jemals“?

Das ist die komplette Vergangenheit. Ich hege ja den starken Verdacht, in Sachen Entgleisung hat die deutsche Pressegeschichte dann doch noch ein paar schlimmere Sachen zu bieten. Als Pressesprecher muß man sich mit sowas aber vermutlich nicht auskennen.